🤝 ArbeitskulturVom GoGermany-Redaktionsteam · 2025-05-20
Lerne die genauen Überstundenregeln für Auszubildende in Deutschland — gesetzliche Stundengrenzen, Anspruch auf Ausgleich und was du tun kannst, wenn dein Arbeitgeber zu weit geht.
Den Anfang deiner Ausbildung in Deutschland zu machen ist aufregend, aber wenn dein Ausbilder dich diese Woche schon zum dritten Mal darum bittet, länger zu bleiben, musst du genau wissen, wo die gesetzliche Grenze liegt. Die Überstundenregeln in Deutschland sind streng, besonders für Auszubildende, und das Gesetz behandelt Minderjährige und Erwachsene sehr unterschiedlich. Wenn du die Regeln für Ausbildung Überstunden Deutschland vor einem Konflikt verstehst, kannst du deinen Ausbildungsvertrag — und deine mentale Gesundheit — schützen.
Deutschland hat kein einzelnes „Überstundengesetz". Stattdessen stapeln sich mehrere Gesetze übereinander, je nachdem wie alt du bist und wie dein Ausbildungsvertrag aussieht.
Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) ist das Fundament jeder Ausbildung. § 17 BBiG sagt, dein Arbeitgeber muss dich fair bezahlen, und § 19 sagt, du musst bezahlt werden, auch wenn keine Arbeit verfügbar ist — aber es impliziert auch, dass du nicht ausgebeutet werden darfst. Entscheidend ist, dass § 17 BBiG Auszubildenden das Recht gibt, ihre Ausbildungsvergütung unabhängig von den Stunden zu erhalten, aber zusätzliche Stunden müssen separat ausgeglichen werden.
Wenn du 18 Jahre oder älter bist, regelt das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) deine Arbeitszeiten:
Wenn dein Ausbildungsvertrag also 40 Stunden/Woche sagt und dein Arbeitgeber 45 verlangt, sind diese extra 5 Stunden Überstunden — und sie müssen ausgeglichen werden.
Wenn du unter 18 Jahren bist, wenn deine Ausbildung beginnt, gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), und die Regeln sind erheblich strenger:
Die JArbSchG-Grenzen sind absolut. Ein Arbeitgeber kann einen Minderjährigen nicht legal auffordern, sie zu überschreiten, auch nicht mit schriftlicher Zustimmung des Auszubildenden.
Hier verwirren sich viele Auszubildende. Überstunden sind jede Arbeitszeit über das hinaus, was dein Ausbildungsvertrag vorsieht, nicht nur über dem gesetzlichen Maximum.
Beispiel: Dein Vertrag sagt 37,5 Stunden/Woche. Dein Arbeitgeber plant dich für 42 Stunden ein. Die extra 4,5 Stunden sind Überstunden — obwohl das gesetzliche Maximum für Erwachsene 48 Stunden ist. Dein Vertrag ist die Obergrenze, die zuerst zählt.
Überstunden umfassen auch:
Eine graue Zone: Berufsschule-Stunden. Schultage zählen als Arbeitszeit. Wenn du 8 Stunden in der Berufsschule verbringst, kann dein Arbeitgeber dich nicht auch noch für eine volle Schicht im Unternehmen an demselben Tag verpflichten.
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Das deutsche Arbeitsrecht und dein Ausbildungsvertrag bestimmen, wie Überstunden bezahlt werden. Es gibt zwei Standard-Ausgleichsmethoden:
Die häufigste Methode in der Ausbildung. Jede zusätzliche geleistete Stunde muss durch eine gleichwertige Stunde bezahlte freie Zeit ausgeglichen werden. Das muss innerhalb desselben Monats oder bald danach geschehen — nicht Monate später, wenn es dem Arbeitgeber passt.
Beispiel: Du arbeitest am Freitag 3 extra Stunden. Dein Arbeitgeber sollte dir in der folgenden Woche 3 Stunden bezahlten Urlaub geben, während deine Vergütung gleich bleibt.
Einige Ausbildungsverträge, besonders in Branchen, die unter Tarifverträgen fallen, erfordern einen Zuschlag auf Überstundenstunden — oft 25–50% extra auf deinen Stundensatz oben drauf.
Beispiel: Deine monatliche Ausbildungsvergütung ist €800 für eine 40-Stunden-Woche. Dein Stundensatz ist ungefähr €4,61. Wenn dein Tarifvertrag einen 25%-Zuschlag erfordert, verdienst du mit jeder Überstunde ungefähr €5,76 statt.
Überprüfe deinen Ausbildungsvertrag und frag deinen Berufsschullehrer oder die Industrie- und Handelskammer (IHK) oder Handwerkskammer (HWK), welcher Tarifvertrag für deine Branche gilt.
Wenn weder dein Vertrag noch ein Tarifvertrag Überstundenkompensation erwähnt, haben deutsche Gerichte konsequent geurteilt, dass zusätzliche Stunden trotzdem ausgeglichen werden müssen — entweder mit Freizeit oder zusätzlichem Geld. „Unbezahlte Überstunden werden einfach erwartet" ist keine rechtliche Position in Deutschland.
Einige Industrien haben zusätzliche Regeln, die du kennen solltest:
Hier sind die häufigsten Fehler, die Auszubildende machen:
Wenn dein Arbeitgeber dir ständig zusätzliche Stunden ohne Ausgleich aufzwingt, hier ist ein praktischer Schritt-für-Schritt-Ansatz:
Deutschland hat einen der klarsten Arbeitnehmerschutze für Auszubildende in Europa, aber sie funktionieren nur, wenn du sie kennst und nutzt. Ob du 17 Jahre alt bist und unter die strengen JArbSchG-Regeln fällst oder ein erwachsener Azubi, der durch das ArbZG geschützt wird, deine vertraglich vereinbarten Stunden sind deine gesetzliche Obergrenze, und jede Stunde darüber hinaus muss ausgeglichen werden — in Zeit oder Geld. Informiert zu bleiben ist der beste Schutz, den du hast.
Wenn du noch planst, nach Deutschland zu ziehen, und verstehen möchtest, welchen Ausbildungsvertrag du anstreben solltest, oder wie du ein überzeugendes Anschreiben schreibst, das faire Arbeitgeber anzieht, buche eine Beratung mit unserem Spezialisten (16 €) und bekomme Expertenhilfe bei deiner Bewerbung. Richtig anzufangen bedeutet weniger Probleme später.