💶 Steuern2025-12-09
Erfahren Sie, welche Werbungskosten Ausbildung Auszubildende in Deutschland absetzen können — von Fahrtkosten bis Prüfungsgebühren — und wie Sie jeden Beleg korrekt dokumentieren.
Eine deutsche Steuererklärung einzureichen mag sich anfühlen wie das Erlernen einer neuen Sprache zusätzlich zu der, die Sie ohnehin schon studieren, aber der Ertrag ist real: Viele Auszubildende in Deutschland bekommen jährlich €300–€1.000 oder mehr zurück, indem sie einfach Ausgaben absetzen, die sie ohnehin bezahlen. Wenn Sie ein Auszubildender aus Marokko sind und Ihre Berufsausbildung in Deutschland absolvieren, könnte das Verständnis von Werbungskosten Ausbildung Steuervergünstigungen bedeutsames Geld in Ihre Tasche zurückbringen. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen genau, welche Ausgaben Sie absetzen können, wie Sie Belege korrekt dokumentieren und welche Fehler Sie vermeiden sollten.
Werbungskosten sind berufsbezogene Ausgaben, die Sie in Deutschland von Ihrem steuerpflichtigen Einkommen abziehen können. Stellen Sie sich diese als Kosten vor, die Sie wegen Ihrer Ausbildung tragen — Ihr Arbeitgeber oder die Berufsschule ersetzt Ihnen nicht alles, und das deutsche Steuersystem erkennt diese Lücke an.
Jeder Arbeitnehmer und Auszubildende erhält automatisch eine Pauschvergütung von €1.230 pro Jahr (Arbeitnehmer-Pauschbetrag) — ohne Belege erforderlich. Aber hier ist der Knackpunkt: Wenn Ihre tatsächlichen Werbungskosten €1.230 übersteigen, sollten Sie diese einzeln aufführen. Viele Auszubildende überschreiten diese Schwelle leicht, wenn sie Fahrtkosten, Lernmaterialien und Kursgebühren zusammenrechnen.
Sie tragen Ihre Werbungskosten in Anlage N Ihrer deutschen Einkommensteuererklärung ein. Sie haben bis zu vier Jahre Zeit, um rückwirkend zu erklären — wenn Sie also Ihre Ausbildung 2021 begonnen haben, können Sie bis Ende 2025 noch Abzüge für dieses Jahr geltend machen.
Wenn Ihre Ausbildung eine zweite Berufsausbildung ist (Sie haben bereits eine Ausbildung oder einen Hochschulabschluss abgeschlossen), sind alle Werbungskosten vollständig gegen Einkommen abzugsfähig.
Wenn es Ihre erste Berufsausbildung ist und Sie kein Erwerbseinkommen haben, werden die Kosten als Sonderausgaben behandelt und sind auf €6.000 pro Jahr begrenzt. Dies ist eine häufige Quelle für Verwirrung — mehr dazu im Abschnitt Fallstricke.
Die Pendlerpauschale ist oft der größte einzelne Abzug für Auszubildende. Sie können absetzen:
Sie setzen nur die einfache Entfernung an, nicht Hin- und Rückfahrt. Die Berechnung basiert auf der kürzesten zumutbaren Straßenroute, nicht auf der Strecke, die Sie tatsächlich fahren.
Sie wohnen in Köln und fahren 35 km pro Weg zu Ihrem Ausbildungsbetrieb in Bonn, 220 Tage pro Jahr.
Das allein überschreitet bereits die €1.230 Pauschvergütung — was bedeutet, dass eine Einzelaufstellung absolut lohnenswert ist.
Sie benötigen keine Tankquittungen oder Fahrzeugpapiere. Die Pauschale gilt, ob Sie fahren, Bus fahren oder radeln. Wenn Sie jedoch öffentliche Verkehrsmittel nutzen und Ihre tatsächlichen Ticketkosten höher sind als die Pendlerpauschale-Berechnung, können Sie stattdessen die tatsächlichen Ticketkosten absetzen. Bewahren Sie Deutsche-Bahn- oder VRS-Monatskarten-Belege auf.
Sie können die Kosten für Kleidung nur absetzen, wenn sie als arbeitsspezifisch qualifiziert — das heißt, sie kann außerhalb der Arbeit nicht sinnvoll getragen werden.
Abzugsfähige Beispiele:
Nicht abzugsfähig:
Ein angehender Pfleger (Pflegefachmann/-frau) in München, der Kasacks für €80 und Sicherheitsschuhe für €65 kauft, kann €145 absetzen. Bewahren Sie den Kassenbon auf.
Dies ist ein Abzug, den viele ausländische Auszubildende übersehen. Wenn Sie Deutschunterricht besuchen, um Ihre beruflichen Leistungen zu verbessern — besonders wenn Ihr Arbeitgeber oder die Berufsschule ein bestimmtes Sprachniveau verlangen — sind diese Kosten als Werbungskosten abzugsfähig.
Was Sie absetzen können:
Sie zahlen €320 für einen B2-Geschäftsdeutsch-Kurs an der VHS Frankfurt, €45 für das Begleitbuch und €90 für die telc-B2-Prüfungsgebühr. Das sind €455 direkt abzugsfähig — bewahren Sie die Anmeldung und Zahlungsbelege auf.
Hinweis: Wenn Ihr Arbeitgeber den Kurs bezahlt, können Sie ihn nicht absetzen. Nur Kosten, die Sie selbst tragen, sind anrechenbar.
Alles, was Sie kaufen, um Ihre Ausbildung effektiv durchzuführen, kann abgesetzt werden:
Profi-Tipp: Für Gegenstände unter €800 netto (die „Geringwertige Wirtschaftsgüter"-Schwelle) können Sie die volle Kosten im Kaufjahr absetzen, anstatt sie über mehrere Jahre zu verteilen.
Die deutschen Steuerbehörden (Finanzamt) können Nachweise für Ihre Abzüge anfordern. Hier ist ein einfaches System:
Sie müssen Dokumente mindestens 10 Jahre für Selbstständige aufbewahren, aber für Arbeitnehmer und Auszubildende reicht es aus, Belege 4 Jahre (das Fenster für rückwirkende Erklärungen) zu behalten.
Fehler 1 — Davon ausgehen, dass die Pauschvergütung ausreicht: Viele Auszubildende akzeptieren einfach die €1.230 Pauschvergütung, ohne ihre tatsächlichen Ausgaben zu berechnen. Wenn Sie mehr als ~15 km pro Tag fahren, lohnt sich eine Einzelaufstellung fast immer.
Fehler 2 — Werbungskosten mit Sonderausgaben verwechseln: Wenn Ihre Ausbildung Ihre erste Berufsausbildung ist und Sie kein Erwerbseinkommen haben, werden Ihre Ausbildungskosten anders eingeordnet (Sonderausgaben, max. €6.000). Die Regeln ändern sich, sobald Sie eine zweite Ausbildung haben oder einen parallelen Arbeitsvertrag.
Fehler 3 — Gar nicht erst einreichen: Viele Auszubildende gehen davon aus, dass sie keine Steuer schulden und daher keinen Sinn in der Erklärung liegt. Falsch. Auch wenn Sie keine Lohnsteuer gezahlt haben, kann eine Erklärung manchmal durch die Arbeitnehmer-Sparzulage zu einer Rückerstattung führen — und es begründet einen Verlustvortrag, der zukünftige Steuerschulden senkt.
Fehler 4 — Duale Fahrtrouten vergessen: Wenn Sie an unterschiedlichen Tagen zu Ihrem Betrieb und Ihrer Berufsschule fahren, sind die Fahrtkosten für jedes Ziel separat abzugsfähig. Dokumentieren Sie sie separat.
Fehler 5 — Kleidung falsch absetzen: Die Behauptung einer gewöhnlichen Jacke oder alltäglicher Schuhe als „Arbeitskleidung" ist ein Warnsignal für das Finanzamt. Nur genuinely arbeitsspezifische Gegenstände bestehen den Test.
Fehler 6 — Das rückwirkende Fenster verpassen: Sie können vier Jahre zurückgehen. Wenn Sie seit 2021 in Deutschland sind und noch nie erklärt haben, lassen Sie wahrscheinlich Hunderte von Euro liegen.
Das Werbungskosten-Ausbildungs-Steuervergünstigungssystem ist wirklich großzügig, wenn Sie es einmal verstanden haben. Ein Auszubildender, der täglich 30 km fährt, Deutschkurse besucht und Lernmaterialien kauft, kann realistisch €2.000–€4.000 an Abzügen pro Jahr geltend machen — und eine bedeutsame Rückerstattung auch bei einem Ausbildungsgehalt von €800–€1.200/Monat erhalten.
Nutzen Sie Tools wie WISO Steuer (ca. €30/Jahr) oder kostenlose Optionen wie Elster (das offizielle Behördenportal unter elster.de), um es selbst einzureichen. Bei komplexeren Situationen — besonders wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Kosten als Werbungskosten oder Sonderausgaben zählen — verlangt ein Lohnsteuerhilfeverein nur €50–€100 für vollständige Unterstützung.
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