Wer bei einer Bewerbung aus Frankreich die deutsche Chancenkarte wirklich braucht, wie das Punktesystem 2026 funktioniert sowie Verfahren, Mittel und Kosten.
Wenn Sie in Frankreich leben und über einen Umzug nach Deutschland zum Arbeiten nachdenken, ist die Chancenkarte einer der Wege, die Sie kennen sollten. Sie ist ein punktebasierter Aufenthaltstitel, mit dem qualifizierte Menschen bis zu 12 Monate nach Deutschland kommen können, um einen Job zu suchen – ohne vorher ein Angebot in der Hand zu haben. Es gibt jedoch einen wichtigen Haken, der je nach Staatsangehörigkeit alles verändert – und für viele, die dies aus Frankreich lesen, ist die Karte gar nicht nötig.
Dieser Leitfaden erklärt, wer bei einer Bewerbung aus Frankreich wirklich von der Chancenkarte profitiert, wie das Punktesystem funktioniert, was sie 2026 kostet und welche Unterlagen Sie benötigen.
Zuerst: Brauchen Sie überhaupt eine Chancenkarte?
Die wichtigste Frage ist Ihre Staatsangehörigkeit, nicht Ihr aktueller Wohnort.
Wenn Sie französischer (oder anderer EU-/EWR-/Schweizer) Staatsbürger sind: Sie genießen bereits Freizügigkeit nach EU-Recht. Sie können nach Deutschland ziehen, dort leben und jeden Job annehmen – ohne Visum, ohne Aufenthaltstitel und ohne Chancenkarte. Sie melden nach der Ankunft lediglich Ihre Adresse (Anmeldung) beim örtlichen Bürgeramt an. Die Chancenkarte ist für Sie irrelevant – beantragen Sie keine.
Wenn Sie Drittstaatsangehöriger sind und in Frankreich leben (zum Beispiel mit einem französischen titre de séjour, als Studierender, Beschäftigter oder Familienangehöriger), erben Sie die französische Freizügigkeit nicht. Um in Deutschland zu arbeiten, brauchen Sie Ihren eigenen deutschen Aufenthaltstitel – und hier kann die Chancenkarte ein wirklich sinnvoller Weg sein.
Dieser Artikel richtet sich also vor allem an Drittstaatsangehörige mit Wohnsitz in Frankreich: Internationale, die in Frankreich studiert oder gearbeitet haben, einen französischen Aufenthaltstitel besitzen und nun den deutschen Arbeitsmarkt ausprobieren möchten.
Was die Chancenkarte ist
Die Chancenkarte wurde im Rahmen der Reformen des Fachkräfteeinwanderungsgesetzes eingeführt und im Juni 2024 gestartet. Sie ist ein Aufenthaltstitel zur Arbeitsplatzsuche auf Basis eines Punktesystems, gedacht für qualifizierte Fachkräfte, die noch kein Jobangebot haben.
Kernmerkmale:
Gültig für bis zu 12 Monate zur Arbeitsplatzsuche.
Erlaubt Probebeschäftigungen und Teilzeitarbeit (bis zu 20 Stunden/Woche), um sich während der Suche zu finanzieren.
Sobald Sie eine qualifizierte Beschäftigung gefunden haben, wechseln Sie von Deutschland aus zu einem arbeitsbezogenen Aufenthaltstitel (etwa der Blauen Karte EU oder einer regulären Arbeitserlaubnis).
Es gibt zwei Wege zur Erfüllung der Voraussetzungen:
Der schnelle Weg: Ist Ihre ausländische Qualifikation in Deutschland bereits vollständig anerkannt (Anerkennung) und einer deutschen gleichgestellt, gelten Sie als Fachkraft und können oft andere Wege direkt nutzen – der Punktetest ist dann streng genommen nicht nötig.
Der Punkteweg: Ist Ihre Qualifikation (noch) nicht vollständig anerkannt, erfüllen Sie aber die grundlegenden Einreisekriterien, sammeln Sie Punkte, um sich zu qualifizieren.
Grundvoraussetzungen vor den Punkten
Um überhaupt in Frage zu kommen, müssen Sie nachweisen:
Einen anerkannten Hochschulabschluss oder eine berufliche Qualifikation mit mindestens zwei Jahren Ausbildung (anerkannt im Land des Erwerbs) oder eine in Deutschland anerkannte Qualifikation.
Mindestens Deutsch A1 oder Englisch B2.
Einen Nachweis der Mittel zur Deckung Ihres Aufenthalts (siehe Kosten unten).
Wenn Sie das erfüllen, benötigen Sie zusätzlich mindestens 6 Punkte aus der Kriterientabelle.
Das Punktesystem
Punkte werden in mehreren Kategorien vergeben. Sie benötigen insgesamt mindestens sechs Punkte.
Kriterium
Punkte
Teilanerkennung Ihrer Qualifikation oder Berufsausübungserlaubnis für einen reglementierten Beruf
4
Deutschkenntnisse: B2 oder höher
3
Deutschkenntnisse: B1
2
Deutschkenntnisse: A2
1
Englischkenntnisse: C1 oder höher (sofern nicht Muttersprache)
1
Berufserfahrung: mindestens 5 Jahre (in den letzten 7) in einem verwandten Bereich
3
Berufserfahrung: mindestens 2 Jahre (in den letzten 5)
2
Alter: unter 35
2
Alter: 35–40
1
Qualifikation/Erfahrung in einem Engpassberuf
1
Früherer Aufenthalt in Deutschland von mindestens 6 Monaten (kein Tourismus)
1
Ihr Ehe-/Lebenspartner erfüllt ebenfalls die Chancenkarte-Kriterien und zieht mit
1
Diese Werte spiegeln den offiziellen Rahmen wider; prüfen Sie die aktuelle Tabelle bei der deutschen Auslandsvertretung oder dem offiziellen Portal make-it-in-germany, bevor Sie einen Antrag stellen, da Details angepasst werden können.
Mit unserem Eignungs-Checker können Sie Ihre voraussichtliche Punktzahl abschätzen, bevor Sie sich in den Papierkram stürzen.
Das Verfahren Schritt für Schritt
Prüfen Sie Staatsangehörigkeit und Status. Als EU-Bürger können Sie aufhören – Sie brauchen das nicht. Als Drittstaatsangehöriger in Frankreich lesen Sie weiter.
Bewerten Sie Ihre Qualifikation. Prüfen Sie, ob sie in Deutschland anerkannt oder teilweise anerkannt ist. Das offizielle Anerkennungsportal anabin und Anerkennung in Deutschland helfen hier.
Berechnen Sie Ihre Punkte. Bestätigen Sie, dass Sie sechs Punkte erreichen und die Sprach- und Mittelschwellen erfüllen.
Entscheiden Sie, wo Sie beantragen. Als rechtmäßiger Einwohner Frankreichs können Sie in der Regel beim deutschen Konsulat/der Botschaft in Frankreich (in Paris oder dem zuständigen Konsulat) beantragen, statt in Ihr Herkunftsland zurückzureisen. Buchen Sie den Termin frühzeitig – die Wartezeiten können lang sein.
Sammeln Sie die Unterlagen (siehe unten) und reichen Sie Ihren Antrag ein, wobei Sie die Visagebühr zahlen.
Erhalten Sie das Chancenkarte-Visum, reisen Sie nach Deutschland, erledigen Sie Ihre Anmeldung und wandeln Sie es bei Bedarf bei der Ausländerbehörde in einen Aufenthaltstitel um.
Suchen Sie bis zu 12 Monate einen Job. Nutzen Sie Teilzeitarbeit zur Finanzierung. Wenn Sie eine qualifizierte Stelle finden, wechseln Sie von Deutschland aus zu einer Arbeitserlaubnis oder Blauen Karte.
Eine starke Bewerbung beginnt mit einem Lebenslauf und Anschreiben im deutschen Stil – unser Lebenslauf-Generator und Anschreiben-Generator sind auf das deutsche Format ausgelegt, und Deutsch lernen bringt Sie auf die Niveaus B1/B2, die Zusatzpunkte bringen.
Erforderliche Unterlagen
Gültiger Reisepass.
Nachweis Ihres rechtmäßigen Aufenthalts in Frankreich (Ihr titre de séjour), bei Antragstellung aus Frankreich.
Hochschul- oder Berufsabschlüsse, gegebenenfalls mit Anerkennungsbewertung.
Sprachzertifikate (Deutsch und/oder Englisch).
Lebenslauf und Nachweise über Berufserfahrung.
Nachweis der Mittel (Sperrkonto oder gleichwertig).
Ausgefülltes Antragsformular und biometrische Fotos.
In Deutschland gültige Krankenversicherung.
Kosten im Jahr 2026
Die Chancenkarte ist im Vergleich zu den Umzugskosten selbst relativ erschwinglich. Typische Zahlen:
Position
Ungefähre Kosten (2026)
Visagebühr Chancenkarte
rund 75 €
In Deutschland ausgestellter Aufenthaltstitel
rund 100 €
Nachweis der Mittel (Sperrkonto)
etwa 1.091 € pro Monat, also rund 13.092 € für 12 Monate
Anerkennungsbewertung, falls nötig
100–600 €
Beglaubigte Übersetzungen der Unterlagen
30–70 € pro Dokument
Reise und Krankenversicherung
variabel
Der Nachweis der Mittel ist der größte Posten. Statt eines Sperrkontos können Sie Ihre Mittel manchmal anders nachweisen (etwa durch eine formelle Verpflichtungserklärung eines Bürgen oder das Einkommen aus erlaubter Teilzeitarbeit), doch das Sperrkonto ist der häufigste Weg. Den genauen Betrag können Sie mit unserem Sperrkonto-Rechner schätzen.
Lohnt es sich aus Frankreich?
EU-Bürger in Frankreich: nein – Sie haben Freizügigkeit; ziehen Sie einfach um und melden Sie sich an.
Nicht-EU-Einwohner Frankreichs mit anerkannter Qualifikation: Sie können möglicherweise einen direkten Fachkräfteweg oder die Blaue Karte nutzen, was schneller sein kann.
Nicht-EU-Einwohner Frankreichs ohne vollständige Anerkennung, aber mit guten Sprachkenntnissen, Erfahrung oder Jugend: Die Chancenkarte ist ein flexibler, wenig verpflichtender Weg, den deutschen Arbeitsmarkt ein Jahr lang zu testen.
Unabhängig von Ihrer Situation sind die entscheidenden Faktoren Ihr Reisepass, der Anerkennungsstatus Ihrer Qualifikation, Ihr Deutschniveau und Ihre finanziellen Mittel. Klären Sie diese zuerst, und der Rest des Verfahrens ist weitgehend Papierkram.
Häufig gestellte Fragen
Teile mit deinen Freunden
War dieser Artikel hilfreich?
Kommentare
Die beliebtesten Kommentare werden zuerst angezeigt.