Visum & PapiereVom GoGermany-Redaktionsteam · 2026-08-03
Italienische Staatsbürger brauchen die Chancenkarte dank EU-Freizügigkeit gar nicht. Hier steht, wer sie wirklich braucht — plus der komplette Punkte-, Finanzierungs- und Kostenüberblick für 2026.
Wenn Sie italienische Staatsbürgerin oder italienischer Staatsbürger sind und über die deutsche Chancenkarte nachdenken, hier die ehrliche Kernaussage: Sie brauchen sie nicht und Sie haben nichts davon. Als Italiener sind Sie EU-Bürger mit voller Freizügigkeit — dem Recht, nach Deutschland einzureisen, dort zu leben und jede Arbeit ohne Visum, Arbeitserlaubnis oder Punktetest aufzunehmen. Die Chancenkarte ist ein Aufenthaltstitel für Menschen, die dieses Recht nicht haben. Für Sie wäre sie ein Rückschritt.
Dieser Ratgeber leistet daher zweierlei. Erstens erklärt er, was ein Italiener tatsächlich braucht, um nach Deutschland zu ziehen (kurz gesagt: eine Anmeldung, kein Visum). Zweitens — denn "aus Italien" meint nicht nur Menschen mit italienischem Pass — legt er das echte Punktesystem der Chancenkarte, den Finanzierungsnachweis und die Kosten für 2026 für die Gruppe dar, der sie wirklich dient: Drittstaatsangehörige, die in Italien leben und einen permesso di soggiorno (italienischen Aufenthaltstitel) besitzen und über die deutsche Auslandsvertretung in Rom oder Mailand einen Antrag stellen möchten.
Dank EU-Freizügigkeit kann ein Italiener einfach nach Deutschland ziehen. Es gibt kein Visum, kein Mindestgehalt, keine Sprachanforderung und keine Punkte zu sammeln. Was Sie brauchen, ist Verwaltung, keine Einwanderung:
Nach drei Monaten behalten EU-Bürger, die arbeiten, selbstständig oder finanziell eigenständig sind, ein automatisches Aufenthaltsrecht; es gibt keine gesonderte Aufenthaltskarte, der man hinterherlaufen müsste. Fällt Ihre italienische Qualifikation in einen reglementierten Beruf (Pflege, Medizin, Lehramt, viele Handwerke), ist die einzige echte Hürde die Anerkennung Ihrer Abschlüsse — eine berufsrechtliche, keine einwanderungsrechtliche Frage. Unser Anerkennungs-Ratgeber führt Sie durch diesen Prozess, und es lohnt sich, früh mit dem Deutschlernen zu beginnen, denn die meisten Arbeitgeber und alle reglementierten Berufe erwarten solides Deutsch.
Die Chancenkarte, eingeführt mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, ist ein einjähriger Aufenthaltstitel, mit dem eine arbeitssuchende Fachkraft in Deutschland leben und nach qualifizierter Arbeit suchen kann — und dabei bis zu 20 Stunden pro Woche Nebentätigkeit sowie Probebeschäftigungen ausüben darf. Sie gilt für Drittstaatsangehörige: Menschen, die keine EU-/EWR-/Schweizer Bürger sind.
Wenn Sie dies in Italien lesen, aber etwa einen marokkanischen, indischen, nigerianischen, ägyptischen oder brasilianischen Pass haben und mit einem permesso di soggiorno in Italien leben, dann ist die Chancenkarte ein echter Weg — und Sie können den Antrag in der Regel bei der deutschen Auslandsvertretung in Italien stellen (Botschaft in Rom oder Generalkonsulat in Mailand), statt in Ihr Herkunftsland zurückzureisen. Der Rest dieses Ratgebers richtet sich an Sie.
Weg 1 — Automatische Berechtigung (keine Punkte nötig). Wenn Sie bereits eine von Deutschland als voll gleichwertig anerkannte Qualifikation besitzen — entweder einen anerkannten ausländischen Hochschulabschluss oder eine ausländische Berufsqualifikation mit vollständiger deutscher Anerkennung — sind Sie ohne Punktetest direkt für die Chancenkarte berechtigt.
Weg 2 — Das Punktesystem. Ist Ihre Qualifikation nicht voll anerkannt, haben Sie aber einen ausländischen Hochschulabschluss oder eine mindestens zweijährige Berufsqualifikation (im Ausbildungsland anerkannt), können Sie über Punkte einreisen. Zunächst müssen Sie eine Grundschwelle erfüllen — anerkannter Abschluss oder zweijährige Qualifikation, Deutsch A1 oder Englisch B2 und Finanzierungsnachweis — und danach mindestens 6 Punkte nach den folgenden Kriterien erreichen.
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Teilanerkennung Ihrer Qualifikation oder Berufsausübungserlaubnis für einen reglementierten Beruf | 4 |
| Deutschkenntnisse: B2 (3 Pkt.) / B1 (2 Pkt.) / A2 (1 Pkt.) | bis 3 |
| Englischkenntnisse: C1 oder Muttersprache (zusätzlich zur A1/B2-Grundlage) | 1 |
| Berufserfahrung: 5+ Jahre in den letzten 7 (3 Pkt.) / 2+ Jahre in den letzten 5 (2 Pkt.) | bis 3 |
| Alter: unter 35 (2 Pkt.) / 35–39 (1 Pkt.) | bis 2 |
| Früherer Aufenthalt in Deutschland: 6+ Monate in den letzten 5 Jahren (nicht Studium/Tourismus) | 1 |
| Engpass-/Bedarfspotenzial Ihrer Qualifikation | 1 |
| Ehegatte/Lebenspartner reist mit und würde die Voraussetzungen ebenfalls erfüllen | 1 |
Kombinieren Sie, bis Sie 6 erreichen. Beispiel: Teilanerkennung (4) + Deutsch B1 (2) genügt bereits; ebenso 5 Jahre Erfahrung (3) + unter 35 (2) + eine Engpassqualifikation (1). Unser Eignungs-Check liefert eine schnelle Selbsteinschätzung, bevor Sie sich in den Papierkram stürzen.
Da die Chancenkarte kein gesichertes Gehalt mitbringt, müssen Sie nachweisen, dass Sie sich das Jahr der Arbeitssuche selbst finanzieren können. 2026 ist der Standardnachweis ein Sperrkonto mit rund 13.000 € — etwa 1.091 € pro Monat für zwölf Monate — oder ein gleichwertiger Nachweis, etwa eine förmliche Verpflichtungserklärung eines Bürgen in Deutschland oder ein Nachweis über erlaubte Teilzeitarbeit, die Ihre Kosten deckt.
Anbieter wie Fintiba, Expatrio oder Coracle eröffnen ein Sperrkonto aus der Ferne; das Konto gibt den Monatsbetrag frei, sobald Sie in Deutschland sind. Nutzen Sie unseren Sperrkonto-Rechner, um vor der Überweisung die genaue aktuelle Summe zu prüfen, da der Betrag an den deutschen BAföG-Bedarfssatz gekoppelt und periodisch angepasst wird.
Wenn Sie mit einem permesso di soggiorno rechtmäßig in Italien wohnen, stellen Sie den Antrag in der Regel bei der für Ihren Bezirk zuständigen deutschen Vertretung — der Botschaft in Rom oder dem Generalkonsulat in Mailand. Schritte:
| Position | Typische Kosten 2026 |
|---|---|
| Nationales (D-)Visum für die Chancenkarte | 75 € |
| In Deutschland ausgestellter Aufenthaltstitel | bis zu 100 € |
| Finanzierungsnachweis — Sperrkonto-Guthaben (rückzahlbar, monatlich frei) | ~13.000 € |
| Sperrkonto-Einrichtung + monatliche Gebühren | ~50–150 € / Jahr |
| ZAB-Zeugnisbewertung | 200 € |
| Beglaubigte Übersetzungen der Zeugnisse | 150–400 € |
| Anerkannte Krankenversicherung für den Aufenthalt | ~30–120 € / Monat |
| Sprachzertifikatsprüfung (Goethe/telc/IELTS) | 150–250 € |
Das Geld, das Sie wirklich ausgeben (Gebühren, Übersetzungen, Versicherung), liegt meist bei etwa 700–1.200 €; die ~13.000 € auf dem Sperrkonto sind Ihr eigenes Geld, das Sie nach der Ankunft monatlich abheben.
Die Chancenkarte selbst erlaubt keine unbefristete Vollzeitstelle — sie dient der Suche. Erhalten Sie ein qualifiziertes Angebot, wechseln Sie zu einem Arbeitsaufenthaltstitel: einer Blauen Karte EU (EU Blue Card), wenn Ihr Gehalt die Schwelle überschreitet (2026 rund 48.300 €, bei Engpassberufen etwa 43.760 €), sonst zu einem regulären Fachkräfte-Titel. Schärfen Sie Ihre Bewerbungen mit unserem Anschreiben-Generator und der Interview-Vorbereitung, damit die zwölf Monate zählen.
Italienischer Pass? Vergessen Sie die Chancenkarte — packen Sie die Koffer, unterschreiben Sie einen Mietvertrag, machen Sie Ihre Anmeldung und fangen Sie an zu arbeiten. Drittstaatsangehörige mit Wohnsitz in Italien? Die Chancenkarte ist ein echter, klar geregelter Weg, den Sie über Rom oder Mailand gehen können: die 6-Punkte-Hürde nehmen (oder automatisch berechtigt sein), ~13.000 € auf einem Sperrkonto nachweisen, ein paar Hundert Euro Gebühren einplanen und sich ein solides Jahr Zeit geben, um den Job zu finden.
Teile mit deinen Freunden
War dieser Artikel hilfreich?
Die beliebtesten Kommentare werden zuerst angezeigt.
…