Wenn du einem Freund erzählst, was jemand anderes gesagt hat, sagst du normalerweise etwas wie "er hat gesagt, dass er müde ist" oder "er hat gesagt, dass er kommt", und hältst dabei die Verbform weitgehend nah an dem, was der ursprüngliche Sprecher benutzt hat, und passt nur das Pronomen an. Das Deutsche verfügt über einen präziseren Mechanismus, um die Worte anderer Menschen wiederzugeben, die sogenannte Indirekte Rede, und sie kann eine besondere Verbform verlangen, für die es anderswo keine direkte Entsprechung gibt: den Konjunktiv I.
Die Grundidee ist einfach: Statt jemanden Wort für Wort in Anführungszeichen zu zitieren, wie in der direkten Rede — Er sagt: "Ich bin müde" —, bettest du die Aussage in einen Nebensatz ein, der von einem Redeeinleitungsverb wie sagen, fragen, behaupten oder meinen abhängt. Dieses Zusammenfügen geschieht auf eine von zwei Arten: entweder mit dass, wobei das Verb wie in jedem anderen Nebensatz ans Ende rückt und Er sagt, dass er müde sei ergibt; oder ohne dass, wobei die Wortstellung fast normal bleibt, sich aber die Verbform selbst ändert, was Er sagt, er sei müde ergibt.
Der verwirrendste Teil für Lernende ist die Wahl der richtigen Verbform. In der förmlichen Sprache, im Journalismus und im Schriftlichen signalisiert der Konjunktiv I — Formen wie sei, habe, komme, könne — ausdrücklich, dass es sich um die Worte eines anderen handelt und nicht um eine Behauptung, für die der Sprecher persönlich einsteht. Im Alltagsgespräch greifen die Leute jedoch oft auf den Konjunktiv II oder sogar auf das schlichte Präsens zurück, besonders dann, wenn die Form des Konjunktiv I mit dem gewöhnlichen Präsens identisch und daher nicht unterscheidbar ist, wie es bei den meisten Verben in der ich- und wir-Form der Fall ist. Diese sorgfältige Trennung zwischen einem förmlichen und einem informellen Register für die wiedergegebene Rede bewältigen viele Sprachen nur mit einem Wort wie "dass", ganz ohne Änderung der Verbkonjugation.
Wiedergegebene Fragen folgen einer etwas anderen Regel: War die ursprüngliche Frage eine Ja/Nein-Frage, verwendet man ob am Anfang des Nebensatzes — Er fragt, ob ich komme. Enthielt sie ein Fragewort wie wann, warum oder wo, bleibt genau dieses Wort erhalten und wird zum Verbindungswort, wobei das Verb ans Ende rückt — Er fragt, wann ich komme.
Der häufigste Fehler ist zu vergessen, dass das Verb nach dass oder einem Fragewort ans Ende des Nebensatzes gehört, und Er fragt, wann komme ich statt des korrekten Er fragt, wann ich komme zu schreiben.