Visum & PapiereVom GoGermany-Redaktionsteam · 2026-08-03
Wer die rumänische Staatsangehörigkeit besitzt, braucht gar keine Chancenkarte — nur eine Anmeldung. Wer aber als Drittstaatsangehöriger in Rumänien lebt, findet hier den vollständigen Leitfaden zu Punkten, Ablauf und Kosten 2026.
Klären wir zuerst den wichtigsten Punkt: Wer rumänischer Staatsbürger ist, braucht keine Chancenkarte, um nach Deutschland zu ziehen. Als EU-Bürger genießen Sie bereits die Freizügigkeit, die es Ihnen erlaubt, in Deutschland zu leben, zu arbeiten, zu studieren und Arbeit zu suchen — ohne Visum, ohne Punktetest und ohne Finanzierungsnachweis. Dieser Artikel ist deshalb zweierlei: eine ehrliche Klarstellung für rumänische Staatsangehörige und ein wirklich nützlicher Leitfaden für die vielen Drittstaatsangehörigen, die in Rumänien leben (Inhaber eines rumänischen permis de ședere / Aufenthaltstitels), die die Chancenkarte tatsächlich brauchen und den Antrag über die deutsche Vertretung in Bukarest stellen würden.
Die Chancenkarte ist ein punktebasierter Aufenthaltstitel, der durch das deutsche Fachkräfteeinwanderungsgesetz speziell für Drittstaatsangehörige geschaffen wurde — also für Menschen, die keine Staatsbürger eines EU-/EWR-Staates oder der Schweiz sind. Rumänien ist seit 2007 vollwertiges EU-Mitglied, rumänische Staatsbürger fallen damit schlicht nicht in ihren Anwendungsbereich.
Was ein rumänischer Staatsbürger tatsächlich für den Umzug nach Deutschland braucht:
Das war's. Kein Sperrkonto, keine 75-€-Visagebühr, keine Punkte. Wenn Sie rumänischer Staatsangehöriger sind und auf eine Abkürzung hoffen: Sie haben die größte Abkürzung, die es gibt, bereits. Stecken Sie Ihre Energie in das, was wirklich zählt: Ihren Lebenslauf, Ihr Deutsch und die Jobsuche. Unser Lebenslauf-Generator verwandelt Ihre Erfahrung in einen deutschen Lebenslauf, und Deutsch lernen hilft Ihnen zum Niveau B1–B2, das die meisten Arbeitgeber erwarten.
Der Rest dieses Leitfadens richtet sich an die beträchtliche Gruppe von Menschen, die in Rumänien leben, aber einen Nicht-EU-Pass besitzen — etwa eine indische, nigerianische, marokkanische, philippinische oder türkische Fachkraft, die mit einem permis de ședere in Rumänien studiert oder gearbeitet hat. Wenn das auf Sie zutrifft, können Sie die deutsche Chancenkarte bei der Deutschen Botschaft in Bukarest beantragen, sofern Sie sich rechtmäßig in Rumänien aufhalten (ein kurzer Touristenaufenthalt in Rumänien genügt nicht — in der Regel müssen Sie dort beantragen, wo Sie rechtmäßig wohnen).
Es gibt zwei Wege in die Chancenkarte:
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Sie müssen zunächst zwei Grundvoraussetzungen erfüllen: einen ausländischen Hochschulabschluss oder eine mindestens zweijährige Berufsqualifikation (im Ausbildungsland anerkannt) und entweder Deutsch auf A1 oder Englisch auf B2. Wenn Sie diese Hürde nehmen, zählen die Punkte so:
| Kriterium | Punkte |
|---|---|
| Teilanerkennung Ihrer Qualifikation oder Berufsausübungserlaubnis in einem reglementierten Beruf | 4 |
| Qualifikation in einem Engpassberuf (z. B. IT, Pflege, Ingenieurwesen) | 1 |
| Berufserfahrung: 2 Jahre in den letzten 5 (bei mind. 2-jähriger Qualifikation) | 2 |
| Berufserfahrung: 5 Jahre in den letzten 7 | 3 |
| Deutschkenntnisse: B2 oder höher | 3 |
| Deutschkenntnisse: B1 | 2 |
| Deutschkenntnisse: A2 | 1 |
| Englisch auf C1 (oder Muttersprache) | 1 |
| Alter unter 35 | 2 |
| Alter 35–39 | 1 |
| Früherer qualifizierender Aufenthalt in Deutschland (mind. 6 Monate, nicht touristisch) | 1 |
| Potenzial eines mitziehenden Ehe-/Lebenspartners (der ebenfalls die Kriterien erfüllt) | 1 |
Sie addieren, was auf Sie zutrifft; 6 Punkte ist die Schwelle. Ein typisches qualifizierendes Profil aus Rumänien könnte sein: teilweise anerkannter Abschluss (4) + Deutsch B1 (2) = 6. Oder: Engpassberuf (1) + 5 Jahre Erfahrung (3) + Deutsch A2 (1) + unter 35 (2) = 7. Mit unserem Eignungscheck rechnen Sie Ihre eigene Punktzahl in wenigen Minuten aus, bevor Sie sich in die Antragsformalitäten stürzen.
Die Chancenkarte gewährt kein Recht auf Gehalt während der Suche, deshalb verlangt Deutschland den Nachweis, dass Sie sich für die (bis zu) 12 Monate selbst versorgen können. Der übliche Weg ist ein Sperrkonto: Sie zahlen einen Betrag ein, der Ihnen nach der Einreise in festen monatlichen Raten ausgezahlt wird.
Für 2026 rechnen Sie mit rund 1.091 € pro Monat, ein ganzes Jahr bedeutet also etwa 13.092 € auf dem Sperrkonto — gerundet ~13.000 €. Sie können diesen Betrag senken, wenn Sie ein Teilzeit-Jobangebot haben (mit der Chancenkarte sind bis zu 20 Stunden/Woche erlaubt) oder eine förmliche Verpflichtungserklärung eines Bürgen vorliegt. Anbieter wie Fintiba, Expatrio oder Coracle eröffnen ein Sperrkonto online; mit unserem Sperrkonto-Rechner prüfen Sie die genaue aktuelle Summe, da sie sich am BAföG-Bedarfssatz orientiert und meist jährlich angepasst wird.
| Posten | Übliche Kosten (2026) |
|---|---|
| Chancenkarte — nationales D-Visum, Gebühr | 75 € |
| Sperrkonto — Finanzierungsnachweis (~12 Monate) | ~13.000 € (monatlich an Sie zurück) |
| Sperrkonto — Einrichtungs-/Bearbeitungsgebühr des Anbieters | 50–150 € |
| Zeugnisbewertung (ZAB) | 200 € |
| Beglaubigte Übersetzungen der Unterlagen | 150–400 € |
| Sprachprüfung (Goethe/telc, pro Niveau) | 150–250 € |
| Biometrische Fotos, Kurier, Sonstiges | 30–80 € |
| Realistische Ausgaben insgesamt (ohne Sperrkonto) | 700–1.200 € |
Das Sperrkonto ist keine echte Ausgabe — Sie erhalten es als Lebenshaltungsgeld zurück —, sodass die Summe, die Sie zur Erlangung der Karte tatsächlich ausgeben, meist deutlich unter 1.200 € liegt.
Zwölf Monate vergehen schnell. Vereinbaren Sie Vorstellungsgespräche schon vor der Ankunft: Feilen Sie an Ihrem Lebenslauf, schreiben Sie gezielte Bewerbungen mit unserem Anschreiben-Generator und üben Sie mit unserer Interviewvorbereitung. Bringen Sie Ihr Deutsch Richtung B1/B2 — das öffnet mehr Stellen und bringt Punkte, falls Sie je erneut beantragen müssen. Und denken Sie an die goldene Regel vom Anfang: Wenn Sie einen rumänischen Pass erlangen können (etwa durch Abstammung oder Einbürgerung nach langem Aufenthalt), ist dieser Weg schneller und günstiger als jeder Punktetest.