Das Verb sein drückt aus, dass etwas ist oder existiert, und es ist das mit Abstand wichtigste Verb im Deutschen, denn Sie brauchen es schon in fast dem allerersten Satz, den Sie je sagen: wenn Sie sich vorstellen, Ihren Zustand beschreiben oder Ihre Stadt, Ihren Beruf oder Ihre Nationalität nennen. Ohne dieses Verb können Sie keinen einzigen einleitenden Satz auf Deutsch bilden, so einfach er auch sein mag.
Hier ist das Erste, woran Sie sich gewöhnen müssen. Viele Lernende kommen aus Sprachen, in denen man das verbindende Verb ganz weglassen kann — man stellt einfach das Subjekt neben die Beschreibung, und „sein“ wird mitgedacht. Das Deutsche erlaubt das niemals. In jedem Satz dieser Art muss eine Form von sein stehen, ohne Ausnahme. Aus „ich bin Student“ darf das bin niemals verschwinden: es ist ein echtes Wort, das man niemals stillschweigend weglassen darf, so offensichtlich die Bedeutung auch scheinen mag.
sein ist außerdem völlig unregelmäßig, daher müssen seine sechs Formen wie eine einzelne Vokabel auswendig gelernt werden: ich bin (1. Person Singular), du bist (2. Person Singular, informell), er/sie/es ist (3. Person Singular), wir sind (1. Person Plural), ihr seid (2. Person Plural, informell), sie/Sie sind (3. Person Plural / Höflichkeitsform). Beachten Sie, dass das großgeschriebene Sie bei Fremden und älteren Menschen verwendet wird, während du Freunden, der Familie und Kindern vorbehalten ist.
Die Wortstellung folgt einer goldenen Regel, die Sie sich jetzt einprägen sollten: Das Verb steht in einem Aussagesatz immer an zweiter Stelle, ganz gleich, was davor kommt. Selbst wenn Sie mit einem Zeitwort wie heute beginnen, bleibt das Verb an zweiter Stelle und das Subjekt rückt an die dritte: Heute bin ich in München. In einer Frage mit einem Fragewort wie Wie, Woher oder Wo lautet die Reihenfolge: Fragewort, dann sofort das Verb, dann das Subjekt — Woher kommst du? Das Verb kommt direkt nach dem Fragewort, nicht nach dem Subjekt.
Der häufigste Fehler, den Lernende machen, ist, sein ganz wegzulassen und Wort für Wort aus einer Sprache zu übersetzen, die es nicht braucht, und Ich Student statt Ich bin Student zu sagen, weil sich die Bedeutung auch ohne es klar „anfühlt“. Denken Sie daran: Jeder deutsche Satz, der zwei Substantive verbindet oder einen Zustand oder Ort beschreibt, braucht eine Form von sein — immer.