Wenn du über deine Familie sprichst, musst du ständig mein Vater, meine Mutter, mein Bruder, deine Schwester sagen. Genau das leisten die Possessivpronomen im Deutschen: mein, dein, sein, ihr, unser, euer. Aber sie funktionieren grundlegend anders als in vielen anderen Sprachen, deshalb bauen wir den Gedanken Schritt für Schritt auf.
In manchen Sprachen wird der Besitz durch eine Endung ausgedrückt, die direkt an das Substantiv selbst angehängt wird, sodass Besitzer und Substantiv zu einem Wort verschmelzen. Das Deutsche macht das nie. Das Possessivpronomen ist immer ein eigenständiges Wort, das vor dem Substantiv steht, wie in mein Vater (wörtlich „mein Vater“ als zwei Wörter). Behalte diese erste Regel fest im Kopf: Im Deutschen sind es immer zwei getrennte Wörter.
Der zweite, kniffligere Punkt ist, dass ein deutsches Possessivpronomen eigentlich aus zwei Teilen besteht. Der erste Teil ist der Stamm, und er hängt davon ab, wer der Besitzer ist: ich ergibt mein, du ergibt dein, er ergibt sein, sie ergibt ihr, wir ergibt unser, ihr ergibt euer. Der zweite Teil ist die Endung, und genau dieser Teil bringt Lernende durcheinander, denn die Endung richtet sich nach Geschlecht und Fall des besessenen Dings — des folgenden Substantivs — und nicht nach dem Besitzer.
Zum Beispiel: mein Vater hat gar keine Endung, weil Vater maskulin ist. Aber meine Mutter hängt ein -e an, weil Mutter feminin ist. Beachte, dass sich mein selbst nicht verändert hat, weil der Sprecher weiterhin „ich“ ist — was sich geändert hat, ist das Geschlecht des besessenen Objekts. Und wenn dieses maskuline Substantiv zum direkten Objekt wird (Akkusativ), zum Beispiel nach einem Verb wie „lieben“, ändert sich die Endung erneut zu -en: Ich liebe meinen Bruder.
Ein Detail ist erwähnenswert: Das Wort ihr deckt je nach Zusammenhang drei verschiedene Bedeutungen ab — „her“, „their“ oder sogar „your“ (Plural, informell). Es gibt keine eigene Form, um sie zu unterscheiden; nur der ganze Satz sagt dir, welche gemeint ist.
Ein sehr häufiger Fehler ist, die Endung ganz zu vergessen und mein Mutter statt meine Mutter zu sagen, weil man das Gefühl hat, das Possessivpronomen „dürfte“ sich nicht ändern. Die Lösung: Prüfe immer zuerst das Geschlecht des besessenen Dings und wähle dann die passende Endung — nie das Geschlecht des Besitzers.