Das Deutsche hat mehr als eine Möglichkeit, über die Vergangenheit zu sprechen, was ungewohnt wirken kann, wenn deine Muttersprache mit einer einzigen Vergangenheitsform für alles auskommt. In dieser Lektion begegnest du dem Präteritum, einer einfachen Vergangenheit, die aus nur einem Wort besteht, ohne Hilfsverb — anders als das Perfekt, das du schon kennst und das haben oder sein plus ein Partizip II braucht.
Im geschriebenen Deutsch — Romane, Zeitungen, formelle Briefe — wird das Präteritum bei fast jedem Verb verwendet. Aber im alltäglichen gesprochenen Deutsch greifen Muttersprachler nur bei drei bestimmten Gruppen darauf zurück: sein (war), haben (hatte) und den sechs Modalverben können, müssen, wollen, dürfen, sollen, mögen. Jedes andere Verb, wie gehen, essen oder arbeiten, wird im gesprochenen Deutsch fast ausschließlich im Perfekt erzählt.
Die Formen selbst sind unregelmäßig und müssen einfach auswendig gelernt werden: war, hatte, konnte und so weiter. Darauf werden die Personalendungen gesetzt: keine Endung für ich und er/sie/es, -st für du, -n für wir und sie/Sie, -t für ihr. Beachte, dass ich und er/sie/es überhaupt keinen zusätzlichen Buchstaben bekommen — genau wie die Modalverben im Präsens, die du schon in A1 gelernt hast.
Der Grund, warum deutsche Sprecher gerade bei diesen Verben das Präteritum bevorzugen, ist, dass ihre Perfekt-Entsprechungen — ich bin gewesen, ich habe gehabt, ich habe gekonnt — im Gesprochenen schwerfällig und unnatürlich klingen, während war, hatte und konnte kürzer, schneller auszusprechen und eindeutig die gebräuchlichere Wahl sind.
Ein häufiger Fehler ist, die allgemeine Perfekt-Regel auch auf diese Verben anzuwenden, als wäre sie das einzige Muster, um im Deutschen über die Vergangenheit zu sprechen, was zu etwas wie ‚Ich bin krank gewesen‘ statt ‚Ich war krank‘ führt — obwohl die zweite Version die korrekte, völlig natürliche Form ist, die in der täglichen Unterhaltung verwendet wird.