Im Deutschen kann ein ganzer Relativsatz wie „the man who is reading“ zu einem einzigen Adjektiv verdichtet werden, das direkt vor dem Nomen steht, und zwar mit einer von zwei aus dem Verb abgeleiteten Formen: Partizip I und Partizip II. Das entspricht funktional dem aktiven und dem passiven Partizip: Partizip I verhält sich wie ein aktives Partizip (der lesende Mann, das schlafende Kind, die weinende Frau), während sich Partizip II wie ein passives verhält (das gelesene Buch, die geöffnete Tür, das gekochte Essen). Die Grundidee — eine Verbform übernimmt die Aufgabe eines Adjektivs — ist aus vielen Sprachen vertraut; von Grund auf lernen muss man die spezifische deutsche Morphologie und die genauen Bedingungen, die jede Form verlangt.
Das Partizip I wird gebildet, indem man die Endung -end an den Infinitivstamm hängt, ohne weitere Änderung: aus lesen wird lesend, aus schlafen wird schlafend. Es beschreibt immer einen andauernden, aktiven Vorgang — das Nomen, das es näher bestimmt, ist dasjenige, das die Handlung in diesem Moment tatsächlich ausführt: der lesende Mann ist der Mann, der gerade jetzt liest, nicht ein Mann, der gelesen hat oder lesen wird.
Das Partizip II ist dieselbe Perfektpartizipform, die im Perfekt verwendet wird (gelesen, geöffnet, gekocht). Als Adjektiv gebraucht, signalisiert es meist eine abgeschlossene Handlung, und bei den meisten transitiven Verben trägt es eine passive Bedeutung: das gelesene Buch ist das Buch, das gelesen wurde (das gelesen worden ist), nicht das Buch, das liest. Bei intransitiven Verben der Bewegung oder Zustandsänderung, die ihr Perfekt mit sein bilden — fallen, ankommen, aufwachen —, trägt das Partizip II überhaupt keine passive Bedeutung, sondern nur eine aktive, abgeschlossene: der gefallene Baum ist der Baum, der gefallen ist, nicht ein Baum, den jemand gefällt hat.
Grammatisch verhalten sich beide Formen genau wie jedes gewöhnliche attributive Adjektiv: Sie nehmen das übliche Adjektivendungsmuster an, je nach Genus, Numerus und Kasus des Nomens und je nachdem, ob ein bestimmter Artikel, ein unbestimmter Artikel oder kein Artikel vorangeht — nach denselben Regeln wie klein oder groß.
Der häufigste Fehler ist die Annahme, das Partizip II signalisiere immer eine passive Bedeutung, was dazu führt, dass Lernende der gefallene Mann fälschlich als „the man who was made to fall“ statt als „the man who fell“ verstehen und dabei vergessen, dass intransitive Verben gar kein Passiv haben. Ein zweiter häufiger Fehler ist, die Adjektivendung nach dem Partizip zu vergessen, wodurch mit dem lesend Mann statt des korrekten mit dem lesenden Mann entsteht.