Redewendungen sind feste sprachliche Einheiten, deren Gesamtbedeutung die Summe ihrer einzelnen Wörter übersteigt. Wenn jemand jemandem die Daumen drücken sagt, presst er nicht buchstäblich seine Daumen zusammen, sondern wünscht jemandem Glück. Diese Wendungen auf dem Niveau C1 zu beherrschen ist nicht länger optional, da sie Literatur, Journalismus und die informelle Alltagsunterhaltung durchdringen; ohne sie versteht ein Lernender die einzelnen Wörter, verfehlt aber die beabsichtigte Bedeutung völlig und gelangt manchmal zum genau entgegengesetzten Sinn, wie bei das ist nicht mein Bier, das nichts mit Bier zu tun hat und schlicht „das ist nicht mein Anliegen“ bedeutet.
Diese Wendungen fallen in wiederkehrende Familien, die sie leichter klassifizierbar und einprägsamer machen: Wendungen, die auf Körperteilen aufbauen, wie die Nase voll haben und sich den Kopf zerbrechen; Wendungen aus der Tierwelt, wie den Stier bei den Hörnern packen; Wendungen aus der Natur und dem Himmel, wie auf Wolke 7 schweben und aus allen Wolken fallen; und Wendungen aus Handwerk und alltäglicher Arbeit, wie in trockenen Tüchern sein (ursprünglich auf trockene Wäsche bezogen). Die Familie einer Wendung zu erkennen hilft dem Gedächtnis, ersetzt aber niemals das Auswendiglernen der vollständigen festen Form einschließlich ihrer Präpositionen und Flexion.
Die zentrale Warnung lautet, dass die wortwörtliche Übersetzung fast immer in die Irre führt, weil eine Redewendung eine geschlossene semantische Einheit ist, die man nicht auseinandernehmen kann und deren einen Bestandteil man nicht gegen ein Beinahe-Synonym austauschen kann, während man ihre Bedeutung beibehält. Man kann zum Beispiel die Katze aus dem Sack lassen nicht durch die Katze aus der Tasche lassen ersetzen in der Annahme, Tasche sei ein akzeptables Synonym für Sack — eine Redewendung ist in ihrer Form so fest wie ein Sprichwort. Es sei auch angemerkt, dass manche Wendungen in Form oder Gebrauch je nach den verschiedenen deutschsprachigen Regionen variieren, sodass eine Wendung, die an einem Ort gebräuchlich ist, an einem anderen ungewohnt klingen mag.
Der häufigste Fehler unter fortgeschrittenen Lernenden ist der Versuch, die Bedeutung einer neuen Wendung rein aus dem Kontext zu erraten, ohne sie zu überprüfen, oder eine umgangssprachliche Wendung in einem förmlichen Rahmen zu verwenden, in den sie überhaupt nicht passt, da die meisten Redewendungen dem informellen gesprochenen Register angehören und im akademischen Schreiben oder in offizieller Korrespondenz nichts zu suchen haben.