Wissenschaftliche Sprache ist nicht einfach eine Frage schwererer Vokabeln; sie ist ein kohärentes System stilistischer Entscheidungen, das darauf angelegt ist, einem Text die Subjektivität zu nehmen und ihm einen objektiven, überprüfbaren Charakter zu verleihen — das Merkmal, das sie am deutlichsten vom gesprochenen Deutsch oder auch vom gewöhnlichen förmlichen Schreiben unterscheidet. Die erste und wichtigste Regel ist, das Personalpronomen der ersten Person ich nach Möglichkeit zu vermeiden, da Wissenschaft nicht auf der Meinung eines Einzelnen beruhen soll, sondern auf Erkenntnissen, die im Prinzip jeder Forscher erreichen könnte. Ich habe untersucht wird daher durch das Passiv es wurde untersucht ersetzt, durch das unpersönliche Pronomen man oder durch feste unpersönliche Wendungen wie es lässt sich feststellen und es ist davon auszugehen. Genau dieser Wechsel trennt einen Studenten, der noch in einer persönlichen Stimme schreibt, von einem Forscher, der in der Stimme der Wissenschaft schreibt.
Die zweite Säule ist die terminologische Präzision: Jeder Begriff wird definiert, bevor er verwendet wird, und Wörter mit einer klar abgegrenzten Bedeutung werden allgemeinen Mehrzweckwörtern vorgezogen. Statt des Allzweckwortes sagen wählt ein Autor äußern, darlegen oder feststellen, je nach der genau beabsichtigten Nuance — eine Meinung ausdrücken, ein Argument darlegen oder eine Erkenntnis feststellen. Die dritte Säule ist die lexikalische Vielfalt: dasselbe einfache Verb einen Absatz hindurch zu wiederholen ist eine stilistische Schwäche, weshalb Autoren zwischen präzisen Beinahe-Synonymen abwechseln; dies überschneidet sich unmittelbar mit den Funktionsverbgefügen, da eine Analyse durchführen in einem förmlichen akademischen Kontext stilistisch stärker wirkt als das bloße Verb analysieren.
Die vierte Säule sind die logischen Konnektoren, die den Fluss einer Argumentation ordnen: darüber hinaus, ferner und zudem für die Hinzufügung; jedoch, hingegen und indessen für den Gegensatz; folglich, demnach und mithin für die Folge; und d. h., nämlich und beispielsweise für die Erläuterung. Diese Konnektoren sind präziser als ihre alltäglichen Gegenstücke aber/weil/deshalb, weil sie die genaue logische Beziehung angeben — notwendige Folge, Erklärung oder teilweisen Gegensatz.
Der häufigste Fehler unter fortgeschrittenen Lernenden ist das Mischen der Register: einen präzisen, im Passiv gehaltenen akademischen Satz zu schreiben und dann den Absatz mit ich denke abzuschließen, wodurch genau die stilistische Konsistenz gebrochen wird, die man gerade aufgebaut hat. Ein Register vom ersten Wort eines Satzes bis zum letzten durchzuhalten ist das, was darüber entscheidet, ob ein Text wirklich akademisch ist oder nur gewöhnliche Prosa, die mit schwierigem Vokabular aufgefüllt ist.