Ein erweitertes Partizipialattribut ist eine Technik, die einen ganzen Relativsatz zu einem einzigen erweiterten Adjektiv verdichtet, das direkt vor dem Substantiv steht, statt ihm in einem eigenen Satz zu folgen. Anstatt der Mann, der seit Jahren in Berlin lebt zu schreiben, produziert ein Autor der seit Jahren in Berlin lebende Mann, in dem das implizite Subjekt, die Zeitangabe und das Verb alle zu einer Wortkette verdichtet sind, die zwischen dem Artikel und dem Substantiv sitzt — eine Kette, die immer mit einem Partizip endet (Partizip I oder II), das selbst die gewöhnliche Adjektivendung annimmt, die durch Genus, Kasus und Numerus bestimmt wird.
Diese Konstruktion ist das Markenzeichen des seriösen Journalismus sowie der akademischen und juristischen Prosa, weil sie dichte Informationen in einen einzigen, sparsamen Satz packt, ohne das Subjekt zu wiederholen oder auf eine Reihe von Nebensätzen zurückzugreifen, die den Text beschweren würden. Ein Muttersprachler entnimmt die verdichtete Information automatisch, doch die Konstruktion stellt für Lernende eine echte Herausforderung dar, die die gesamte Kette lesen müssen, bevor sie das Substantiv erreichen, das sie beschreibt — das Gegenteil des Musters, bei dem ein beschreibender Satz dem Substantiv, das er modifiziert, üblicherweise folgt, statt ihm vorauszugehen.
Mechanisch gesehen ist die erste zu meisternde Unterscheidung die zwischen den beiden Partizipformen. Partizip I (Verbstamm + -end) drückt eine gleichzeitige oder andauernde Handlung mit aktiver Bedeutung aus, sodass der lesende Student „der Student, der liest“ bedeutet. Partizip II (die vertraute Form des Perfektpartizips) drückt eine abgeschlossene Handlung oder eine passive Bedeutung aus, sodass das geöffnete Fenster „das Fenster, das geöffnet worden ist“ bedeutet (das Ergebnis einer abgeschlossenen Handlung). Wenn man einen Relativsatz umwandelt, der auf dem Passiv beruht, wird immer Partizip II verwendet, niemals Partizip I — einer der feinsten Bedeutungsaspekte dieser ganzen Struktur.
Die „Erweiterung“ selbst bezieht sich auf die Tatsache, dass jedes Element, das im ursprünglichen Relativsatz gestanden hätte — eine Zeit- oder Ortsangabe, eine Präpositionalphrase, sogar ein besitzanzeigendes Subjekt — nun vor das Partizip geschoben wird, wodurch eine lange grammatische Kette entsteht, die der Leser im Kopf behalten muss, bis das Substantiv endlich erscheint und sich die Bedeutung auflöst: das gestern vom Parlament verabschiedete Gesetz. Ein häufiger Fehler von Lernenden besteht darin, zu vergessen, die Endung des abschließenden Partizips an Kasus und Genus des Substantivs anzupassen, diese Konstruktion aus Verben bilden zu wollen, die sich ihr von Natur aus widersetzen, oder Partizip I und II zu verwechseln und dadurch eine Bedeutung zu erzeugen, die das genaue Gegenteil des Gemeinten ist.