Ein Funktionsverbgefüge (FVG) ist eine feste Verbindung aus einem semantisch entleerten Verb und einem abstrakten Substantiv — oft von einem Verb abgeleitet —, bei der das Verb nicht länger seine ursprüngliche lexikalische Bedeutung trägt, sondern lediglich Tempus, Modus und Person liefert, während das Substantiv die eigentliche Bedeutung der ganzen Fügung trägt. Mit anderen Worten: Die Bedeutungseinheit ist nicht mehr das Verb allein, sondern das Paar aus Verb und Substantiv zusammen — ein Paar, das sich häufig durch ein einziges einfaches Verb ersetzen lässt, das in der Sprache bereits existiert, wie bei eine Entscheidung treffen neben dem einfacheren entscheiden.
Diese Konstruktion ist im formellen, administrativen, journalistischen, juristischen und wissenschaftlichen Deutsch allgegenwärtig, weil sie dem Schreibenden mehr Ausdrucksflexibilität gewährt, als es ein einfaches Verb erlaubt: Dem Substantiv können Adjektive beigefügt werden (eine wichtige Entscheidung treffen), die Fügung lässt sich leicht in eine Nominalkonstruktion oder ins Passiv überführen (eine Entscheidung wurde getroffen), und sie verleiht einen formelleren, sachlicheren Ton, der zum administrativen und journalistischen Register passt. Sie zu beherrschen ist ein deutliches Zeichen für ein C1-Niveau, da Muttersprachler instinktiv schlichte umgangssprachliche Formulierungen von ausgefeilter formeller Prosa unterscheiden.
Rein mechanisch gibt es keine logische Möglichkeit vorherzusagen, welches Funktionsverb sich mit welchem Substantiv verbindet; die Kombinationen verhalten sich wie feste Kollokationen, die man einfach als fertige Einheiten auswendig lernen muss: treffen mit Entscheidung und Maßnahmen, bringen mit zum Ausdruck und zur Sprache, nehmen mit Rücksicht und Bezug, stellen mit Antrag und Frage, kommen mit in Frage, stehen mit zur Verfügung. Viele dieser Kombinationen tragen eine feste Präposition, und das Substantiv erscheint manchmal ganz ohne Artikel, wie in in Frage kommen oder zur Verfügung stehen — ein Muster, das von der geläufigeren Regel abweicht, dass ein Substantiv gewöhnlich von einem bestimmten oder unbestimmten Artikel begleitet wird.
Ein sehr häufiger Fehler unter fortgeschrittenen Lernenden besteht darin, ein neues FVG durch logische Analogie zu bilden und eine Entscheidung machen statt eine Entscheidung treffen zu sagen, oder die feste Präposition wegzulassen, wie bei Rücksicht nehmen ohne auf, oder einen Artikel einzufügen, wo keiner hingehört, wie in in die Frage kommen statt in Frage kommen. Das einzige Mittel dagegen ist, jedes FVG als vollständige Einheit auswendig zu lernen — Verb, Präposition und Kasus zusammen —, genau so, wie man eine Redewendung auswendig lernt, statt zu versuchen, es aus seinen einzelnen Teilen wieder zusammenzusetzen.