Du hast gelernt, dass manche Präpositionen immer den Akkusativ auslösen (durch, für, ohne …) und andere immer den Dativ (mit, bei, von …). Aber es gibt eine besondere Gruppe von neun sehr häufigen Präpositionen zur Beschreibung des Ortes — in, an, auf, über, unter, vor, hinter, neben, zwischen —, die dauerhaft zu keinem der beiden Fälle gehören. Sie schwanken je nach Bedeutung des Satzes zwischen Akkusativ und Dativ, weshalb man sie im Deutschen Wechselpräpositionen nennt.
Die goldene Regel, die die Wahl jedes Mal entscheidet, ist, dir vor dem Satzbau eine Frage zu stellen: Wenn der Satz eine Bewegung oder einen Übergang von einem Ort zu einem anderen beschreibt — sodass du Wohin? fragen könntest —, verwende den Akkusativ. Wenn der Satz eine feste Position oder einen Ruhezustand an einem Ort beschreibt — sodass du Wo? fragen könntest —, verwende den Dativ.
Vergleiche diese beiden Sätze: Ich lege das Buch auf den Tisch (das ist Bewegung — das Buch wandert aus meiner Hand auf den Tisch, also fragen wir Wohin? und verwenden den Akkusativ den). Gegenüber: Das Buch liegt auf dem Tisch (das beschreibt einen festen Zustand ohne Bewegung, also fragen wir Wo? und verwenden den Dativ dem).
Etwas, das sehr hilft: Es gibt Verbpaare, die direkt mit dieser Unterscheidung zusammenhängen. legen (etwas flach hinlegen — ein Bewegungsverb) bildet ein Paar mit liegen (liegen/ausgestreckt sein — ein Ruheverb), und stellen (etwas aufrecht hinstellen — ein Bewegungsverb) bildet ein Paar mit stehen (stehen — ein Ruheverb). Bewegungsverben verlangen meist den Akkusativ; Ruheverben verlangen den Dativ.
Viele Lernende kommen aus einer Sprache, in der die Präposition und das folgende Nomen ihre Form nicht danach ändern, ob das Verb Bewegung oder Ruhe ausdrückt — „ich lege das Buch auf den Tisch“ und „das Buch liegt auf dem Tisch“ verwenden genau dieselbe Präposition ohne jede grammatische Verschiebung. Weil nichts in ihrer Muttersprache sie darauf vorbereitet, gehört die Unterscheidung der Wechselpräpositionen oft zu den verwirrendsten Punkten, die es zu meistern gilt.
Ein häufiger Fehler ist, bei allen neun dieser Präpositionen auf den Dativ zurückzugreifen, da Lernende oft zuerst den festen Dativ-Präpositionen begegnen, was das falsche Ich gehe in dem Park statt des korrekten Ich gehe in den Park ergibt, wenn man das Hineingehen in den Park (Bewegung) beschreibt. Frage immer Wohin oder Wo, bevor du den Fall wählst.