Du weißt bereits, wie das Passiv mit dem Hilfsverb werden gebildet wird und wie Modalverben für sich allein funktionieren. Auf dieser Stufe lernst du, wie sich diese beiden Strukturen zu einer einzigen Konstruktion verbinden, die Verpflichtung, Möglichkeit oder Erlaubnis in einem Satz ohne persönliches Subjekt ausdrückt — der vorherrschende Stil des formellen Deutsch. Gesetze, Anweisungen, Formulare und offizielle Bekanntmachungen sind fast alle auf diese Weise verfasst, weil sie das unpersönliche Subjekt man aus dem Satz entfernen und den gesamten Fokus auf das legen, was getan werden muss.
Grammatisch bleibt das Modalverb dasjenige, das nach Subjekt und Tempus konjugiert wird und die zweite Position im Hauptsatz einnimmt, genau wie üblich. Doch statt direkt vom Infinitiv des Hauptverbs gefolgt zu werden, wie im Aktiv, folgt ihm eine zweiteilige Konstruktion, die ans äußerste Ende des Satzes gerückt wird: das Partizip II des Hauptverbs, gefolgt von werden in seiner Infinitivform (nicht konjugiert). Aus dem Aktivsatz Man muss das Formular ausfüllen wird Das Formular muss ausgefüllt werden, wobei das Objekt das Formular zum grammatischen Subjekt wird, während ausgefüllt und werden gemeinsam ans Ende des Satzes rücken.
In anderen Zeitformen ändert sich nur die Konjugation des Modalverbs — zum Beispiel im Präteritum: Das Formular musste ausgefüllt werden — während das abschließende ausgefüllt werden über nahezu jede Zeitform hinweg unverändert bleibt, da das Tempus vollständig vom Modalverb getragen wird.
Es gibt außerdem drei kürzere Alternativen, die dieselbe Bedeutung ohne ausdrückliches Passiv vermitteln und in offiziellen Texten sehr häufig sind: sein + zu + Infinitiv, wobei Das Formular ist auszufüllen genau dasselbe bedeutet wie muss ausgefüllt werden; sich lassen + Infinitiv, das Möglichkeit ausdrückt, sodass Das lässt sich machen so viel bedeutet wie kann gemacht werden; und Adjektive, die mit dem Suffix -bar abgeleitet werden und Fähigkeit vermitteln, wie lesbar, also „was gelesen werden kann“.
Der häufigste Fehler ist, in dieser Konstruktion sein statt werden zu verwenden und sie mit dem Zustandspassiv zu verwechseln, das einen resultierenden Zustand statt einer Handlung beschreibt. Ein weiterer häufiger Fehler ist, zu vergessen, das Partizip II und werden gemeinsam ans Ende des Satzes zu rücken, und sie stattdessen an der Position zu belassen, an der in einem Aktivsatz das Hauptverb stünde.